29. TERRA WORTMANN OPEN  11. – 19. Juni 2022

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Montag, Mittwoch bis Freitag 12-16 Uhr

Andrey Rublev mausert sich zum Turnierfavoriten

Der Russe lässt Philipp Kohlschreiber keine Chance und zieht ins Halbfinale ein

Er ist der letzte Gesetzte im Feld der 28. NOVENTI OPEN und damit automatisch in der Favoritenrolle: Andrey Rublev. Und anders als die anderen Topspieler wird er dieser gerecht.  Überzeugend gewann der 23-Jährige sein Viertelfinale gegen den Turniersieger von 2011, Philipp Kohlschreiber, mit 7:6(4), 6:2. Rublev steht damit als erster Akteur im Halbfinale.

Schnell war klar, wie das hier ablaufen würde: Der 14 Jahre jüngere Russe setzte seine berühmte Power ein, prügelte gnadenlos auf die Bälle ein. Der Routinier aus Augsburg konterte mit Präzision und Cleverness.  Im sechsten Spiel gab es den einzigen Breakball für Rublev, den Kohlschreiber souverän abwehrte. Ansonsten servierten beide mühelos durch. Im Favoriten aus Moskau begann es sichtlich zu brodeln. Wie hart er auch immer auf den Ball schlug, der flinke Deutsche brachte die Kugel meist zurück. "Meine klare Marschroute war, ihm keinen Rhythmus zu geben, das hat ganz gut geklappt zu Beginn", analysierte Kohlschreiber nach der Partie.

Im Tie-Break hatte Kohlschreiber dann zu Beginn dreimal Glück. Der erste Ball fiel gerade noch auf die Grundlinie, danach folgten ein Netzroller und ein verunglückter Rahmentreffer, der im Feld landete. „Warum?“,  brüllte Rublev und warf den Schläger auf den Boden. "Bei 0:3 dachte ich schon, dass ich den Satz verliere", verriet der Russe später. Bei 2:4 aber hatte er sich wieder beruhigt. Das bekam nun der Mann auf der anderen Seite des Netzes gehörig zu spüren. Fünf Punkte in Folge machte der Weltranglistensiebte. Der schönste war der letzte: Ein Rückhand-Passierball die Linie entlang – zur Überraschung mal als Slice gespielt. 7:4 und Satz eins.

Im zweiten Satz bog Rublev schnell auf die Zielgerade ein, legte sofort ein Break im ersten Spiel vor. Ein zweites folgte zum 5:2. Kohlschreiber hatte nichts mehr entgegenzusetzen. Bei eigenem Aufschlag war der Russe unantastbar. "Leider hat mein Return bei seinem zweiten Service heute nicht funktioniert. Man fühlt sich gegen ihn da auch unter Druck, weil er bei jedem Ball sofort Vollgas gibt", sagte der Deutsche.  In Halle hat Rublev bislang in drei Partien keinen Satz verloren. Dabei ist er nicht einmal als Experte für Rasen bekannt, hat da eine eher durchwachsene Bilanz. Aber das könnte sich diese Woche ändern. "Mein Spiel klappt schon ganz gut, die Umstellung auf Rasen funktioniert", befand Rublev, schränkte aber gleich ein, er könne noch manches in seinem Spiel verbessern auf dem grünen Untergrund. "Ich denke da an den Slice und die Volleys zum Beispiel."

Für Aufsehen hatte der Moskauer vor Wochen in Monte Carlo gesorgt, als er Sandplatzkönig Rafael Nadal bezwang. Siege gegen den Spanier auf Sand gehören zum größten, was Profis dieser Tage erreichen können. In Paris dagegen flog er in der ersten Runde raus. Dass er der letzte Gesetzte bei den NOVENTI OPEN ist, findet Andrey Rublev gar nicht so überraschend: "Das Tennis verändert sich: Heute können die Spieler weiter hinten in der Rangliste dich trotzdem immer schlagen. Sie sind viel professioneller und besser als früher", erklärt er. Der Unterschied zur Spitze liege in der Konstanz.

Philipp Kohlschreiber war mit seinem Turnier trotz der Niederlage zufrieden. "Das war eine gute Woche, ich habe mehr Matches gewonnen als verloren." Jetzt hoffe er auf eine gute Auslosung in Wimbledon.

Andrey Rublev hat noch keinen Satz bei den 28. NOVENTI OPEN verloren. FOTO: NOVENTI OPEN/Mathias Schulz
Philipp Kohlschreibers Reise bei den 28. NOVENTI OPEN ist zu Ende. FOTO: NOVENTI OPEN/Mathias Schulz