Noch vor genau einer Woche spielte Flavio Cobolli in Paris gegen Alexander Zverev um den French-Open-Titel. Nach fünf hart umkämpften Sätzen musste der Italiener dem Deutschen zu dessen erstem Grand-Slam-Sieg gratulieren – was er in einer berührenden Rede während der Siegerehrung auch umgehend erledigte.
In den seither vergangenen sieben Tagen ist die Enttäuschung über die Finalniederlage langsam, aber sicher dem Stolz über das bisher mit Abstand beste Ergebnis bei einem Grand-Slam-Turnier gewichen. Viel Zeit zum Innehalten bleibt im munteren Tenniszirkus jedoch nicht. Denn mit der Rasensaison hat der nächste Saison-Höhepunkt bereits begonnen.
Cobolli, der durch seinen Paris-Erfolg erstmals auf Platz zehn der Weltrangliste geführt wird, tritt zum dritten Mal in seiner Karriere bei den TERRA WORTMANN OPEN in Halle an. Viel Zeit zur Vorbereitung blieb ihm in diesem Jahr nicht. „Ich hatte ein paar Tage frei nach dem Finale“, erzählt er am Sonntag. „Ich habe erst eine Stunde auf Rasen trainiert. Ich weiß, dass ich im ersten Match vielleicht nicht mein bestes Tennis spielen werde, aber das muss man akzeptieren.“
Gestärkt durch das Selbstvertrauen der letzten Wochen will der 24-Jährige sein bislang bestes Ergebnis auf dem westfälischen Rasen (Viertelfinale 2025, Niederlage gegen Zverev) trotzdem noch einmal verbessern. „Ich habe viel an meinen Schlägen gearbeitet: Aufschlag, Vorhand und Rückhand“, sagt Cobolli. „Ich glaube, ich kann auch hier gut spielen. Das Ziel ist es, diese Woche bis an die Grenze zu gehen und mein bestes Tennis zu spielen.“
Zur Neuauflage des French-Open-Finals zwischen Cobolli und Zverev kann es in diesem Jahr erst im Endspiel kommen. Der Deutsche ist an Position eins gesetzt und damit am oberen Ende des Turnierbaums zu finden. Cobolli – selbst die Nummer sechs der Setzliste – steht am anderen Ende des Draws im Viertel des zweitgesetzten Kanadiers Felix Auger-Aliassime.
In der ersten Runde trifft Cobolli am späten Montagnachmittag auf den US-Amerikaner Frances Tiafoe. Ein schweres Los, zumal der US-Amerikaner im direkten Vergleich der beiden Profis mit 3:1 vorne liegt. Von den beiden Duellen in diesem Jahr konnten Cobolli (in Acapulco) und Tiafoe (in Indian Wells) jeweils eins gewinnen.
Auf Rasen standen die beiden sich allerdings noch nie gegenüber. Während Cobolli und das schnelle Grün in den ersten Jahren seiner Karriere noch ein kühles Verhältnis pflegten, ist der Italiener jetzt auf bestem Weg, eine warme Freundschaft mit dem Spiel auf Rasen aufzubauen. 2025 zog er erstmals ins Wimbledon-Viertelfinale ein, in dem er Novak Djokovic in vier Sätzen unterlag. „Ich mag es inzwischen, auf Rasen zu spielen“, verrät er und schmunzelt: „Besonders in England. Ich liebe es, in Wimbledon zu spielen. Vielleicht, weil der Belag dort langsamer ist als hier.“
