Die US-amerikanischen Tennisspieler und das ATP-Tennisturnier in Halle/Westfalen hat bisher keine Erfolgsgeschichte verbunden. Das wird sich am Sonntag ändern: Im Finale der 33. TERRA WORTMANN OPEN stehen sich nämlich zwei Profis aus den USA gegenüber, so dass erstmals in der Turniergeschichte der Sieger aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommen wird.
Taylor Fritz (ATP 9) besiegte im Halbfinale den körperlich angeschlagenen Alexander Zverev (ATP 3) 6:7, 6:4 und 7:5. Sein Gegner heißt Frances Tiafoe (ATP 26) – nach einem 6:1 und 6:3 gegen den Deutschen Daniel Altmaier (ATP 81).
Am Sonntag (ab 15.30 Uhr) geht es in der heristo-arena um 483.145 Euro Preisgeld für den Sieger und 259.940 Euro für den Zweitplatzierten.
Halbfinale I: Taylor Fritz (ATP 9) – Alexander Zverev (ATP 3) 6:7, 6:4, 7:5
Ein Halbfinalmatch der Extreme: Brütende Hitze in der heristo-arena, zwei Spieler, die körperlich ans Limit gegangen sind, und die sich auf jede Pause mit einem Eisbeutel im Nacken freuten. Der 28-jährige Taylor Fritz hatte am Ende die meisten Körner übrig und besiegte den French-Open-Champion nach fast drei Stunden mit 6:7, 6:4 und 7:5.
Alexander Zverev hat damit sein drittes Finale in Halle knapp verpasst. 2016 verlor er überraschend gegen Landsmann Florian Mayer, 2017 überraschend deutlich gegen Roger Federer. Der Hamburger, der nach zehn Siegen in Folge (French Open und Halle) mal wieder in eine Niederlage einwilligen musste, hat bislang auf allen Belägen ein ATP-Turnier gewonnen, nur ein Triumph auf Rasen fehlt ihm noch.
Taylor Fritz steht damit eine Woche nach Stuttgart wieder in einem Finale auf Rasen. Vor sieben Tagen unterlag er Landsmann Ben Shelton, am Sonntag möchte er es besser machen. Wenn man nur auf die Matcherfolge schaut, ist Fritz mit nun 43 Siegen der erfolgreichste Rasenspieler in diesem Jahrzehnt. In Stuttgart konnte er 2025 gewinnen, in Eastbourne gewann er sogar viermal (2019, 2022, 2024, 2025).
Alexander Zverev hat sich anschließend gegenüber Journalisten geäußert:
Zu seinen körperlichen Problemen: Mein Rücken hat zugemacht, aber das war nicht der Grund. Ich hatte extrem Probleme mit meinem Zucker. Leider hat das Gerät kurz vor dem Match einen hohen Zuckerwert angezeigt, obwohl ich mich gefühlt habe, als wäre mein Zucker extrem niedrig. Ich habe viel zu viel gespritzt und dann während des Matches in den ersten Minuten des Matches knapp 350 Gramm Zucker zu mir genommen. Ich habe mich einfach scheußlich gefühlt. Das war leider der Grund, warum ich auch körperlich im zweiten Satz nicht da war. Auch im dritten Satz war es schwierig für mich, überhaupt physisch da zu sein.
Zur Niederlage gegen Taylor Fritz: Die letzten paar Male, wo ich gegen Taylor gespielt habe, war er der bessere Tennisspieler. Heute war mein Tennis da, aber ich war einfach physisch nicht in der Lage, es zu zeigen. Aber es gibt mir auch positive Zeichen für Wimbledon, weil ich mich auf Rasen recht gut gefunden habe und das hoffentlich auch in Wimbledon zeigen kann.
Zum defekten Sensor: Den Sensor habe ich seit neun Jahren. Es war das erste Mal, dass der Wert so extrem falsch war. Kurz vor dem Match hat das Gerät extrem hohen Zucker angezeigt. Und dann habe ich gemerkt, dass mein Zucker niedrig ist. Dann habe ich gemessen und mein Zucker war tatsächlich schon niedrig. Dann habe ich gedacht: Das wird ein schwieriger Tag.
Zur Rückkehr von Jannik Sinner in Wimbledon: Ich brauche immer ein Vorbereitungsturnier, aber Jannik ist da anders. Es gibt solche Spieler. Ich bin jemand, der ein bisschen Matchrhythmus braucht.
Zur Rückkehr nach Halle im September zum Davis Cup: Ich hoffe es. Mal schauen, ob ich nominiert werde.
Sein Turnierfazit: Das war eine wunderschöne Woche für mich, auch wenn es jetzt ein bisschen enttäuschendes Ende hat. Es hat mir richtig Spaß gemacht, hier zu sein und hier zu spielen. Das Publikum war diese Woche, in meinen Augen, das beste Publikum, das es in Halle für mich je gab und es hat mir Riesenspaß gemacht, auf dem Platz zu stehen.
Taylor Fritz nach dem Halbfinal-Sieg in der Mixed Zone
Zum Sieg gegen Zverev: Es war ein wirklich nervöses Match. Es ist nie leicht zu spielen, wenn man das Gefühl hat, dass der Gegner mit etwas zu kämpfen hat. Das verkrampft einen total. Es ist schwer, einen Rhythmus zu finden, weil er sehr aggressiv spielt – offensichtlich, weil er angeschlagen ist. Es war ein unangenehmes Match für mich. Ich bin froh, dass ich es überstanden habe.
Zur Rolle der Physis im Finale: Das hängt von der Hitze ab. Ich komme aus einer Knieverletzung zurück und mute dem Knie wirklich viele Kilometer zu. Aber ich liebe es, da draußen zu sein und zu kämpfen. Wir werden sehen, wie das Wetter morgen wird, aber ich werde alles geben, was ich habe.
Halbfinale II: Frances Tiafoe (ATP 26) – Daniel Altmaier (ATP 81) 6:1, 6:3
Altmaier, der das erste 500er-Halbfinale seiner Karriere bestritt, konnte nicht an seine überragenden Leistungen der vergangenen Tage anknüpfen. Noch am Freitagabend hatte er beim Sensations-Sieg über Daniil Medvedev sein bestes Tennis präsentiert. Einen Tag später lief gegen Tiafoe jedoch deutlich weniger zusammen.
Der US-Star, der mit Flavio Cobolli und Felix Auger-Aliassime zuvor bereits zwei Top-Ten-Spieler aus dem Turnier geworfen hatte, wurde seiner Favoritenrolle von Beginn an gerecht. Bei eigenem Aufschlag ließ er im ersten Satz keine einzige Breakchance zu und schnappte sich indes selbst gleich zweimal den Aufschlag von Altmaier. Nach gerade einmal 25 Minuten verwandelte er bereits seinen ersten Satzball zum 6:1.
Kampflos aufgeben wollte Altmaier jedoch nicht. Gleich im ersten Spiel des zweiten Durchgangs glänzte er mit mehreren spektakulären Punktgewinnen und ballte die Faust in Richtung seiner Box. Wenig später kam Tiafoe nach einem Volleyfehler Altmaiers trotzdem zu seinem nächsten Break und stellte auf 4:2. Der DTB-Star, der nach dem Turnier unter die besten 60 Spieler der Welt zurückkehrt, konnte sich im Anschluss keine weiteren Breakchancen mehr erspielen. Nach 1:13 Stunde verwandelte Tiafoe seinen ersten Matchball.
Frances Tiafoe hat gegen Taylor Fritz eine 1:7-Bilanz, nur das erste Duell im Jahr 2016 entschied Tiafoe für sich. Auf Rasen haben beide noch nicht gegeneinander gespielt.
Daniel Altmaier: „Tiafoe hat seinen Job sehr gut gemacht. Er hat von Anfang bis Ende sehr aggressiv gespielt. Ich habe nicht die beste Aufschlagquote gehabt, deshalb kam er auch besser in den Rhythmus rein. Wenn es von meiner Seite etwas gibt, dann auf jeden Fall die Aufschlagquote im ersten Satz. Dann ist es schwer hinterherzulaufen. Trotzdem war die Woche in Halle sehr positiv. Es waren sehr intensive Matches.“
Frances Tiafoe: „Ich habe heute wirklich gut aufgeschlagen, bin gut in die Ballwechsel gekommen und habe insgesamt sehr sicher gespielt. Es ist eine Ehre, hier im Finale zu stehen. Ein Platz im Finale an einem Sonntag ist nie selbstverständlich. Nach dem langen Match gestern bin froh, dass es in nur eine Richtung lief und ich kein weiteres langes Match spielen musste.“
