29. TERRA WORTMANN OPEN  11. – 19. Juni 2022

TICKET CENTER 05201 81 80
Montag, Mittwoch bis Freitag 12-16 Uhr
(im Sportpark, Gausekampweg 2, Halle/Westf.)

Jan-Lennard Struff schaltet topgesetzten Daniil Medvedev aus

Der Deutsche überrascht den Favoriten mit einer bärenstarken Leistung und einer besonderen Strategie. Auch Philipp Kohlschreiber ist weiter.

So ist das Leben: Da hat man als Spieler die Ehre, beim Heimturnier die Hauptfeld-Auslosung zu ziehen und dann das - Jan-Lennard Struff loste sich selbst den an Nummer eins gesetzten Spieler als Gegner zu. Keinen Geringeren als Daniil Medvedev aus Russland, den amtierenden ATP-Weltmeister und Weltranglisten-Zweiten. Gegen den er zuletzt mehrfach chancenlos war.  Und auch so ist das Leben: Struff gewann mal eben gegen den Favoriten in zwei Sätzen mit 7:6(6), 6:3

Angst vor großen Namen hat „Struffi“ als Deutschlands Nummer zwei aber nicht. Muss er auch nicht. In München hätte er vor wenigen Wochen  beinahe seinen ersten Tourtitel gewonnen, bei den French Open hatte er Andrey Rublev, die Nummer sieben der Welt, bezwungen. Erst im Achtelfinale war gegen Diego Schwartzmann Endstation. Und in Halle ist der Sauerländer Struff so etwas wie der Lokalmatador. Der 31-Jährige hat hier viele Jahre Tennis-Bundesliga gespielt und oft auf den Anlagen rund um die OWL-Arena trainiert.

Beide Spieler gaben sofort Gas von der Grundlinie, Struff variierte später mehr, spielte auch klassisches Serve-and-Volley. Es sollte sich auszahlen. Zunächst ging Medvedev mit 3:1 in Führung, doch der Deutsche breakte gerade noch rechtzeitig zurück, als der Russe zum Satz aufschlug und zwei Doppelfehler einbaute. Bei 5:6 wehrte Struff dann einen Satzball ab, als sein Volley aus voller Streckung gerade noch so den Weg übers Netz schaffte. "Da hatte ich Glück, das war ein Rahmentreffer", sagte er später. Im Tie-Break dagegen lag er immer vorn, vergab aber bei 6:5 seinen ersten Satzball. Bei 7:6 machte er es besser. Medvedev brodelte nach dem Satzverlust. 

Rasen ist nicht des Russen bevorzugter Untergrund. Seine Karrierebilanz steht bei 18:12. In Wimbledon kam der 25-Jährige bislang nicht über die dritte Runde hinaus. In Halle war diesmal in der ersten Rund Feierabend, denn Medvedev bekam seine Nerven nicht mehr in den Griff. Er schimpfte, fluchte, zertrümmerte einen Schläger.

Und Jan-Lennard  Struff? Der verfolgte ruhig und konzentriert seinen Weg. "Ich wollte ihm auf keinen Fall eine Schwäche zeigen." Ein frühes Break zum 3:1 im zweiten Satz, abgewehrte Breakbälle wenig später und schließlich das zweite Break zum 5:1. Da störte auch die letzte Gegenwehr des Favoriten mit einem Re-Break nicht mehr. Oder doch? "Ja, ich habe kurz an den ersten Satz in Paris gegen Schwartzmann gedacht. Da habe ich auch 5:1 geführt und ihn noch verloren", gestand der Deutsche. Doch diesen Sieg ließ sich „Struffi“, der nach Halle mit Freundin und Kind angereist ist, nicht mehr nehmen.

Auch Philipp Kohlschreiber, Sieger in Halle im Jahr 2011, hat das Achtelfinale erreicht. Der Routinier bezwang den Österreicher Jurij Rodionov mit 6:4, 6:3. Er trifft jetzt auf den Franzosen Corentin Moutet.

Jan-Lennard Struff zeigte zum Auftakt der 28. NOVENTI OPEN eines seiner besten Matches des Jahres. FOTO: NOVENTI OPEN/Mathias Schulz (honorarfrei)
Der Weltranglisten-Zweite Daniil Medvedev haderte nach verlorenem ersten Satz mit seinem wechselhaften Spiel. FOTO: NOVENTI OPEN/Mathias Schulz