Ein Halbfinalmatch der Extreme: Brütende Hitze in der heristo-arena, zwei Spieler, die körperlich ans Limit gegangen sind, und die sich auf jede Pause mit einem Eisbeutel im Nacken freuten. Der 28-jährige Taylor Fritz hatte am Ende die meisten Körner übrig und besiegte den French-Open-Champion nach fast drei Stunden mit 6:7, 6:4 und 7:5.
Dramatisch wurde es gleich im ersten Satz. Zverev breakte seinen Gegner zum 2:1, zog auf 3:1 davon. Doch Fritz hielt dagegen: Re-Break zum 3:3, dann mit eigenem Service zum 4:3. Zverev merkte man an, dass er mit der Hitze aufgrund seiner Diabetes-Erkrankung nicht gut zurecht kam, dazu kamen Rückenprobleme. Er schnaufte immer wieder durch und musste sich mitten im achten Spiel auf die Bank setzen. Medical Time Out, der 29-Jährige verließ den Centre Court.
Erster Gedanke bei vielen: Zverev gibt auf. Doch der Hamburger kam stärker zurück, konzentrierte sich vor allem auf seinen eigenen Aufschlag. Und erreichte so den Tiebreak. In dem holte er sich ein Mini-Break und verwandelte seinen ersten Satzball zum 7:4. Tosender Jubel in der heristo-arena. Doch dann der bange Blick. Zverev nahm Kontakt mit seiner Box auf, gönnte sich im Anschluss eine Toilettenpause.
Und kam wieder zurück auf den Court. Mit dem festen Willen, dieses Halbfinale zu gewinnen. Die vorhandene Energie packte er in seinen Service, ließ Fritz bei dessen Aufschlag gewähren. Das Ziel: mit kurzen Ballwechseln zum Erfolg. Das ging im zweiten Satz nicht auf. Fritz breakte Zverev zum 5:4 und gewann den Durchgang mit 6:4. Danach: Cooling Break. Zehn Minuten Pause, beide Spieler verabschiedeten sich in die Katakomben.
Der dritte Satz verlief lange ausgeglichen. Die Aufschläger gaben kaum Punkte ab – bis zum 5:5. Fritz gelang ein Break zur 6:5-Führung, die Entscheidung stand kurz bevor. Zverev machte nur noch einen Punkt und verlor den Entscheidungsdurchgang mit 5:7. „Ich bin froh, es durchgestanden zu haben, dieses Match hinter mich gebracht zu haben. Es war ein wirklich nervöses Match. Ich glaube, es ist nie leicht, wenn man das Gefühl hat, dass der Gegner mit etwas zu kämpfen hat. Das verkrampft einen total“, sagte Fritz.
Alexander Zverev hat damit sein drittes Finale in Halle knapp verpasst. 2016 verlor er überraschend gegen Landsmann Florian Mayer, 2017 überraschend deutlich gegen Roger Federer. Der Hamburger, der nach zehn Siegen in Folge (French Open und Halle) mal wieder in eine Niederlage einwilligen musste, hat bislang auf allen Belägen ein ATP-Turnier gewonnen, nur ein Triumph auf Rasen fehlt ihm noch.
Taylor Fritz steht damit eine Woche nach Stuttgart wieder in einem Finale auf Rasen. Vor sieben Tagen unterlag er Landsmann Ben Shelton, am Sonntag möchte er es besser machen. Wenn man nur auf die Matcherfolge schaut, ist Fritz mit nun 43 Siegen der erfolgreichste Rasenspieler in diesem Jahrzehnt. In Stuttgart konnte er 2025 gewinnen, in Eastbourne gewann er sogar viermal (2019, 2022, 2024, 2025).
